Ein Stein zu Weihnachten
Sockenmond · So entstehen die Geschichten · Stand
Auf dem Weg nach Hause bleibt Mats stehen. Vor seinem Stiefel liegt ein Stein. Der Stein ist grau und rund. Rundherum geht ein weißer Strich. Mats hebt ihn auf. Der Stein ist kalt und passt genau in seine Hand. „Was hast du da?“, fragt Papa. „Nichts“, sagt Mats schnell. „Nicht gucken!“ „Ich gucke nicht“, sagt Papa. Er guckt in den Himmel. Mats steckt den Stein in die Jackentasche. Der ist für Papa, zu Weihnachten.
Zu Hause holt Mats das Papier mit den Sternen und das Klebeband. „Nicht gucken, Papa!“ Papa setzt sich aufs Sofa und hält sich die Hände vor die Augen. „Ich gucke nicht“, sagt Papa. Zwischen zwei Fingern ist eine kleine Lücke.
Mats legt den Stein auf das Papier. Er wickelt das Papier um den Stein, einmal und noch einmal. Ratsch, macht das Klebeband. Ein Stück Klebeband. Noch ein Stück. Und noch eins. Ein Stück klebt an Mats' Finger. Eins klebt am Teppich. Am Ende ist das Paket rund und dick, viel dicker als der Stein. Es glänzt vom vielen Klebeband. „Fertig“, sagt Mats. Papa nimmt die Hände von den Augen. „Ein Paket“, sagt Papa. „Für wen ist das?“ „Für dich“, sagt Mats. „Es ist kein Stein.“ „Kein Stein“, sagt Papa. Er kratzt sich am Kopf.
Das Paket kommt unter den Weihnachtsbaum. Am Baum hängen rote Kugeln und eine Lichterkette. Mats legt sich auf den Bauch. Er flüstert dem Paket etwas zu: „Nicht verraten.“ Jeden Morgen guckt Mats unter den Baum. Das Paket ist noch da.
Beim Frühstück sagt Mats: „Es ist nicht grau.“ „Nicht grau“, sagt Papa. „Hm.“ Beim Anziehen sagt Mats: „Und es hat keinen weißen Strich.“ „Keinen weißen Strich“, sagt Papa. Er macht ein ganz ernstes Gesicht. In der Badewanne sagt Mats: „Es ist kein Stein.“ „Das habe ich mir gemerkt“, sagt Papa.
Dann ist Heiligabend. Draußen ist es dunkel. Drinnen leuchtet die Lichterkette am Baum. Mats setzt sich aufs Sofa. Dann steht er wieder auf. Dann setzt er sich wieder hin. Unter dem Baum liegen Pakete. Ein großes, ein flaches und ein rundes mit viel Klebeband. Wo ist das runde Paket? Ganz hinten, neben dem großen. Da ist es. Mats trägt es mit beiden Händen zu Papa. „Erst das.“ Papa schüttelt das Paket. Nichts klappert. „Was ist das wohl?“, fragt Papa. „Es ist kein Stein“, sagt Mats ganz schnell. Papa zieht am Klebeband. Es geht nicht ab. Er zieht noch mal. Es geht immer noch nicht ab. Da hilft Mats. Er reißt das Papier auf, viel schneller als Papa. Ritsch, ratsch, macht das Papier.
Dann liegt der Stein in Papas Hand. Grau und rund, mit einem weißen Strich. Papa guckt den Stein lange an. Er dreht ihn um. Mit dem Finger fährt er den weißen Strich entlang, einmal ganz herum. „Ein Stein“, sagt Papa leise. „Ja“, sagt Mats. „Es ist ein Stein.“ „Ich weiß“, sagt Papa. Er hält den Stein noch eine Weile fest. Jetzt ist der Stein nicht mehr kalt. Dann legt Papa ihn auf das Fensterbrett, genau in die Mitte. Danach packt Mats seine Pakete aus. Aber immer wieder guckt er zum Fenster.
Später schläft Mats auf dem Sofa ein, mitten im Geschenkpapier. Papa deckt ihn zu. Über dem Dach gegenüber steht der Sockenmond. Seine Spitze ist ein bisschen umgeknickt. „Was liegt da am Fenster?“, fragt der Sockenmond. Ein Stein liegt da, von Mats für Papa. „Socke an, Licht aus.“ Papa macht die Lichterkette aus. Am Fenster liegt der Stein. Grau und rund. Mit einem weißen Strich.